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Vortrag auf dem Fortbildungstag der DGKH am 4.Juni 2005 in Berlin
Sachkunde zur Aufbereitung von Medizinprodukten in der ärztlichen Praxis

Die rechtsichere hygienisch einwandfreie und technisch sachgerechte Aufbereitung von Instrumenten und Materialien, die im Krankenhaus bestimmungsgemäß keimarm oder steril zur Anwendung am Patienten kommen müssen, setzt bei den damit beauftragten Mitarbeitern ein definiertes Maß an Wissen und Können voraus, das sie derzeit in mehr als 20 akkreditierten Bildungseinrichtungen für die Fachkundeausbildung erwerben können. Nachdem die Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts die Notwendigkeit der Fachkundeausbildung in den 1990-iger Jahren initiierte, sensibilisierten im neuen Jahrtausend besonders das Infektionsschutzgesetz, das Medizinproduktegesetz, die Medizinproduktebetreiberverordnung sowie die Hygieneempfehlungen des RKI das Bewusstsein für Hygiene bei den Leistungserbringern und Überwachungsbehörden. Es ist nach mehr als 10-jährigem hartnäckigem Bemühen von Ärzten für Hygiene, Operateuren, Pflegekräften und nicht zuletzt auch von Patienten, zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass die Sterilgutaufbereitung von geschultem Personal durchgeführt wird.

Nachdem durch die Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention die Notwendigkeit der Ausbildung begründet und die Inhalte der Ausbildung durch die DGSV festgelegt wurden, fiel auf dass im Bereich der Aufbereitung von Medizinprodukten als wesentlicher Bereich die Sterilgutversorgung in der Praxis/Praxisklinik des niedergelassenen Arztes unberücksichtig geblieben war.

Es war daher dringend geboten, diese Lücke zu schließen.
Als erstes traten im Herbst 2002 unter dem Eindruck von CJK die Ophthalmochirurgen an das Brandenburgische Bildungswerk für Medizin und Soziales in Potsdam mit der Bitte heran, differenzierte Bildungsangebote für ihre medizinischen Mitarbeiter zu erstellen.
Andere Fachgesellschaften wie der Verband der ambulanten operierenden Chirurgen folgten.
In enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand der DGKH, dem Berufsverband der Hygieniker und dem Bildungsausschuss der DGSV wurde von Praktikern- und Bildungsexperten ein spezielles Curriculum erarbeitet. Sie gingen dabei davon aus, dass

  1. Examinierte Krankenschwestern/-pfleger, Kinderkrankenschwestern/-pfleger sowie berufsausgebildete Arzt-/Zahnarzthelferinnen, die in niedergelassenen, operativ tätigen Praxis oder Praxiskliniken mit speziellem Patientenprofil unter direkter Anleitung und Kontrolle eines Facharztes arbeiten, nur einer spezialisierten Vermittlung der vom Gesetzgeber geforderten Sachkunde bedürfen.
  2. Im eigenen Betrieb (Praxis/Praxisklinik) ist der Arzt als Betreiber auch für die Organisation des Hygienemanagements verantwortlich. Für die Gestaltung des Hygieneplans, die Aufsicht und Ausführung hygienerelevanter Betriebsabläufe kann er je nach Qualifikation Mitarbeiter delegieren.
  3. Nur ausgebildetes Personal, das sein Aufgabengebiet versteht, ist motiviert, möglichst gute Leistungen zu erbringen und damit zum wirtschaftlichen Erfolg der Praxis beizutragen. Die fach- und funktionsspezifisch gebildete Mitarbeiterin des Arztes "hilft" nicht nur ihrem Chef; sie versteht und unterstürzt seine Handlungen; sie verbreitet seinen guten Ruf.

Seit dem Jahre 2003 gibt es für die Qualitätssicherung durch sachkundiges Personal in der Sterilgutversorgung der niedergelassenen Ärzteschaft einen von den Vorständen der DGKH, DGSV und des Berufsverbandes der Deutschen Hygieniker gemeinsam getragenen und von den Überwachungsbehörden akzeptierten "Sachkundelehrgang zum "Erwerb der Sachkenntnis gemäß § 4(3) der Medizinproduktebetreiberverordnung (MPBBetreibV) für die Instandhaltung von Medizinprodukten in der ärztlichen Praxis"
In 40 Stunden (U-Std.) werden in unterschiedlicher Organisationsform die bereits ausgebildeten medizinischen Fachkräfte mit folgenden Inhalten vertraut gemacht:

  • Rechtsgrundlagen (Gesetze, Verordnungen, Normen)
  • Grundlagen der Mikrobiologie und Keimzahlverminderung
  • Instrumentenkunde, Pflege und Wartung, Funktionskontrolle
  • Anforderungen an das zu sterilisierende Gut (Reinigung, Desinfektion, Verpackung)
  • Durchführung der Sterilisation
  • Qualitätssicherung und Hygienemanagement

Die anschließende schriftlich/mündlich/praktische Kenntnisprüfung dient dem Nachweis, dass die Teilnehmer die Lehrgangsziele erreicht haben:

  • Befähigung zur qualitätsgerechten, sicheren Aufbereitung der in ihrer Fachrichtung eingesetzten Medizinprodukte
  • Befähigung zur Kostensenkung und Vermeidung von Fehlleistungen
  • Befähigung zur strikten Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen (Patienten- und Eigenschutz) sowie zur Vermeidung von Auswirkungen aus Qualitätsmängeln
  • Förderung der Handlungskompetenz und Leistungsfähigkeit, um dass Hygiene- und Sterilisationsrisiko gemäß der Bewertungsskala auf das nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft unvermeidbare Restrisiko zu beschränken

Bislang wurden im Brandenburgischen Bildungswerk und anderen für die Durchführung der Sachkundekurse akkreditierten Bildungseinrichtungen in Deutschland 1660 Mitarbeiter der Arztpraxen/Praxiskliniken erfolgreich fortgebildet.

Die Resonanz ist bei den Überwachungsbehörden durchweg positiv, da die bei einschlägigen Überprüfungen sichtbar werdenden Mängel und Wissenslücken durch Fortbildung behoben werden können.
In der Ärzteschaft wächst die Bereitschaft, trotz finanzieller und personeller Engpässe, die angebotenen Kurse zu nutzen.

Sie- wie auch ihre Mitarbeiter- empfinden die Fortbildung zunehmend als Hilfestellung bei der Sicherung ihrer Qualitätsanstrengungen. Denn der wesentlichste Punkt der Qualitätssicherung ist die Einbindung des einzelnen Mitarbeiters als verantwortliche Person.
Fort- und Weiterbildung des gesamten Personals sind unerlässlich und ebenso wichtig wie die laufende Kontrolle des Tätigkeitsablaufs, um dem gesetzlich definierten Patientenanspruch auf Behandlung nach dem momentanen Stand der Wissenschaft und Technik gerecht zu werden.

Der Erwerb der Sachkunde ist in erster Linie eine Verpflichtung zum Wohle des Patienten, weil es aus Patientensicht keinen Unterschied zwischen industriell gefertigten Produkten und in der niedergelassenen Praxis hergestellten Sterilgütern geben darf.

Adresse der Autoren:

Dr. med. K.-D. Zastrow
Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin
Vivantes Kliniken Berlin
Neue Bergstr. 6
13585 Berlin

Sernau, H.-J. ,Dipl.-Med.-Päd.
Geschäftsführer a. D.
Brandenburgisches Bildungswerk für Medizin und Soziales e. V. Potsdam
Zeppelinstr. 152
14471 Potsdam